Bilder wie Spuren
Die kräftigen und lebendigen Farben fallen sofort ins Auge. Priska Leuteneggers Werke leuchten, als strahle aus ihnen ein inneres Licht. Aus der Nähe betrachtet werden Strukturen und Spuren sichtbar, Linien, Furchen und Erhebungen treten hervor, die an Landschaften, Baumrinden und Felswände erinnern.
Die Ähnlichkeiten sind durchaus beabsichtigt. Die Strukturen entstehen unter anderem auch durch einen natürlichen Prozess. Für die Künstlerin sind es immer spannende Momente, wenn neue Formen wie aus der Tiefe des Bildes zu kommen scheinen. Es ist, als würden sich dabei Teile ihres wahren Wesens offenbaren.
„Mit dieser Technik habe ich die ideale Ausdrucksmöglichkeit für mich und mein Innerstes gefunden“, sagt die 1975 in Uster, Kanton Zürich, geborene Künstlerin, die im Jahr 2000 neben ihrer kaufmännischen Tätigkeit mit Kohle zu zeichnen anfing und 2002 ein Fernstudium an der Kunstschule Zürich begann. Fünf Jahre später machte sich Priska Leutenegger als Künstlerin selbständig, um sich ganz der Malerei zu widmen: „Endlich kann ich mich ganz darauf konzentrieren, meinen eigenen Stil zu entwickeln.“ Mit Erfolg, wie sich schon bald zeigte.
„Ich war auf der Suche nach einer Ausdrucksweise für das, was mich bewegt“, beschreibt Priska Leutenegger, was sie künstlerisch antrieb. Bald genügte ihr die herkömmliche Maltechnik mit Acryl und Öl nicht mehr, die ihr für ihre Anliegen zu wenig aussagekräftig schien. 2009 schliesslich entstand dann der erste Bilderzyklus aus Marmormehl ausschliesslich auf Holz und mit leuchtenden Farben, der schon auf einigen Ausstellungen zu sehen war. Priska Leutenegger nannte ihn „Emerging From Depth“ (aus der Tiefe auftauchen). Es war, so sagt die Künstlerin über diese ersten neuen Arbeiten selbst, wie das Auftauchen aus den dunklen Untiefen eines Ozeans.
Seither sind weitere Bildreihen entstanden, die bestimmte Themen beinhalten, wie etwa die Motive von „Walks Outside". Im Gegensatz zu deren eher fröhlichem Ausdruck verleiht der schwarze Hintergrund den Werken von „Emerging From Depth“ eine fast magische Tiefe. Zudem nutzt Priska Leutenegger inzwischen die Fotografie als ideale Ergänzung zu ihrer Malerei. Mit der Kamera nähert sie sich ihren Werken, taucht in deren Strukturen ein, begibt sich so quasi „auf die Suche nach der Seele der Bilder“.
Tatsächlich zeigen die Fotografien neue, überraschende Perspektiven, Landschaften und Formen, deren Wirkung und Eindrücklichkeit die Künstlerin gelegentlich durch die digitale Bearbeitung noch verstärkt. Die fotografischen Werke gehen den ursprünglichen Bildern auf den Grund und versuchen so deren eigentlichen Kern zu ergründen. „Ich dulde keine Oberflächlichkeit in meiner Kunst“, formuliert Priska Leutenegger ihren künstlerischen Anspruch. Mit ihren fotografischen Arbeiten hat die Künstlerin eine Möglichkeit gefunden, die Spuren in ihren Kunstwerken noch stärker in den Fokus des Betrachters zu rücken.